Fakten und Zahlen
Das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet in den Grenzen des Regionalverband Ruhrgebiet (RVR)

Zu Christi Geburt war das Gebiet entlang der Ruhr von Germanenstämmen besiedelt. Die Römer versuchten von ihren Lagern in Xanten und Moers-Asberg in das Gebiet vorzudringen. Die Römer die Flüsse als Transportwege. Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bildete sich u.a. aus den Kleinstämmen der Chamaven, der Brukterer, Chasuarier und Sugambrer der Bund der Franken. Eine Hauptgruppe der Franken, die Rheinsalier, siedelte sich im Raum Köln an.  Bis etwa 700 n. Chr. drangen Sachsen in das Gebiet vor, deren Versuch, den Rhein zu überschreiten, schlugen die Franken zurück. 772 begannen die Kriege Karls des Großen gegen die heidnischen Sachsen, die mit Widukinds Taufe im Jahr 785 endeten.
Entlang des Hellwegs wurden in dieser Zeit für die Verpflegung des Heeres fränkische Königshöfe und Burgen gegründet. Die "Via Regia" oder Königstraße wurde zur Hauptverkehrsader nach Osten. Das Kloster in Werden und der Hochadelsstift in Essen sorgten als geistige Zentren für die kulturellen Grundlagen.
Die Hansezeit gab dem Ruhrgebiet neue Impulse. Es gab auch im Umland eine wirtschaftliche Belebung. Zwischen dem 14. und 16. Jh. wurden 16 Siedlungen zu Hansestädten: Bochum, Dortmund, Dorsten, Duisburg, Essen, Haltern, Hamm, Hattingen, Kamen, Lünen, Recklinghausen, Schwerte, Unna, Wattenscheid, Werl und Werne. Im 18 Jahrhundert wurden die Poststationen der Fernruten ausgebaut, der Handel und der Informationsaustausch belebt. Die Steinkohlevorkommen des Ruhrkarbons bildeten die natürliche Grundlage für die Entstehung der größten montanindustriellen Region Europas. Kohle, Eisen und Stahl, Dampfmaschine, Eisenbahn, Chemie und Energie bilden die Eckpfeiler der Wirtschaft. Waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über 280 Schachtanlagen tätig, so sind es 2009 nur noch vier Bergwerke. Als 1951 die Montanmitbestimmung in Kraft trat war nicht klar, dass bereits ein halbes Jahrzehnt später der "Motor der wirtschaftlichen Entwicklung" Deutschlands eine krisengeschüttelte Region werden sollte. Der Umbau zu einer Region der Dienstleistungen begann, Universitäten entstanden, aus der Industrielandschaft wurde eine Museumslandschaft. 2010 wird die Region Ruhrgebiet zur Kulturhauptstadt Europas.

Das Ruhrgebiet kann als eine der großen europäischen Industrie- und Dienstleistungsregionen auf eine 150jährige wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die geographische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung in ihrer Vielfalt hat eine einzigartige räumliche und gesellschaftliche „Landschaft“ entstehen lassen. Mehr als 5,3 Millionen Menschen leben heute im Ruhrgebiet; im Jahr 1820 waren es 270000. Im Laufe der Zeit zogen Menschen aus ganz Europa und der Welt hierher, die auch religiös unterschiedlich geprägt waren und sind: zunächst aus den
umliegenden Gebieten Westfalens, dann aus Schlesien, Ost- und Westpreußen, sowie aus Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Arbeitnehmer und ihre Familien aus Italien, später aus Griechenland, der Türkei und Portugal. Bis heute kommen Zuwanderer, Studenten, Flüchtlinge und andere Menschen mit unterschiedlichen Motiven und Absichten ins Ruhrgebiet. Die Region wuchs aus vielen Städten und Dörfern zusammen, so dass die Tendenzen zum Zusammenwachsen einerseits und zur Wahrung von Eigenart und Differenz andererseits, sowie die Mobilität innerhalb der Region bis zur Gegenwart bestimmende Faktoren sind. Religiös sind die Römisch-Katholische Kirche und die Evangelischen Landeskirchen (Rheinland, Westfalen) die dominierenden Großgemeinschaften des Christentums in der Region. Zudem gibt es kleinere christliche Gemeinschaften (Orthodoxie, die Altkatholische Kirche, evangelische Freikirchen und unabhängige Kirchen und Gemeinschaften), außerdem zahlreiche Kirchen und Gemeinschaften fremder Sprache und Herkunft (ca. 150). Es gab und gibt wieder wachsende jüdische Synagogengemeinden. Muslime kamen verstärkt seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, auch Hindus, Buddhisten sowie Anhänger der unterschiedlichsten Religionen und religiösen Gemeinschaften. Sie prägen mit ihren Auffassungen das gesellschaftliche Leben mit und gelegentlich treten auch Bürgerinnen und Bürger aus traditionell geprägten Milieus in ihren Wirkungskreis ein.
Im Blick auf die kleineren Gemeinschaften gilt nach wie vor, dass weitgehend mit einer geringen öffentlichen und wissenschaftlichen Anteilnahme gerechnet werden muss – es sei denn, es kommt zu Interessenkonflikten (z. B. die Auseinandersetzung um den öffentlichen Gebetsruf, die Frage der Schulpflicht und des Religionsunterrichts, die Anerkennung von Religionsgemeinschaften als Körperschaften öffentlichen Rechts, etc.). Die Ereignisse im 20. Jahrhundert (Weltkriege, NS-Regime, technische und wirtschaftliche Entwicklungen) haben starke Auswirkungen auch auf die religiöse Landschaft gehabt. Der Terroranschlag am 11. September 2001 in den USA und die Folgeentwicklungen haben zudem gezeigt, wie tief Vorurteile gegenüber Religionsgemeinschaften wirken können und wie notwendig die gegenseitige Wahrnehmung ist.

Im Ruhrgebiet sind heute 53 Gemeinden in elf kreisfreien Städten und vier Kreisen zusammengefasst. Die elf kreisfreie Städte sind: Duisburg, Mülheim a. d. Ruhr, Oberhausen, Essen, Bottrop, Gelsenkirchen, Herne, Bochum, Dortmund, Hagen und Hamm, dazu die vier Kreise (Wesel, Unna, Recklinghausen und Ennepe-Ruhr), die sich wiederum in 42 selbstständige Städte und kreisangehörigen Kommunen gliedern.
Mit seinen etwa 5,4 Mio. Einwohnern gehört das Ruhrgebiet heute zu den größten Ballungszentren Europas. Die industriell Entwicklung ist die Ursache dafür, dass das Ruhrgebiet als eine wirtschaftsgeographisch homogene Region gelten kann. Das Gebiet wird in vier Zonen unterschieden: die Ruhrzone, die Hellwegzone, die Emscherzone und die Lippezone.

Religionen die im Ruhrgebiet vertreten sind: Judentum, Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Bahá’i, Yeziden und weitere kleinere Religionen.

Es gibt mindestens 2055 Gemeinschaften aller Richtungen auf der lokalen Ebene, die im Lexikon dargestellt werden.

Weitere Informationen zum politischen Ruhrgebiet www.ruhrgebiet-regionalkunde.de 

Informationen zur Kulturhauptstadt unter www.ruhr2010.de

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