Buchvorstellung am 22.06.2009 in der Christuskirche in Bochum

Vielfalt und Wandel – Fritz Pleitgen stellte das Religionslexikon vor

„Das Buch trifft genau unser Interesse!“ sagte Fritz Pleitgen bei der Vorstellung des neuen Buches über die Religionsgemeinschaften am Montag, 22. Juni 2009, in der Christuskirche am Rathaus in Bochum. Es sei ein Anliegen der ruhr2010-GmbH, gerade auch diesen Teil des lebendigen Ruhrgebiets sichtbar zu machen. Ca. 60 Besucher waren der Einladung zu Präsentation und anschließender Podiumsrunde gefolgt. Die Idee für das Projekt war bereits im Jahr 2000 entstanden, als zwei Theologen beim Lehrstuhl für Ökumene an der Ruhr-Universität vorsprachen und Erich Geldbach von ihrem Anliegen überzeugten. Peter Noss, heute evangelischer Pfarrer in Bochum, kam als Projektleiter dazu. Die aufwändigen Recherchen und die Religion als sich ständig verändernder Gegenstand machten einen langen Arbeitsprozess notwendig. Ca. 2500 lokale Gemeinschaften gibt es im Ruhrgebiet: von A wie „Adventisten“ über B wie „Bahá’í“, E wie „Evangelisch Kirche“, Y wie „Yeziden“ bis Z wie „Zeugen Jehovas“ reicht die Liste in dem über 600 Seiten starken Werk. Einleitende Artikel geben Einblicke in Geschichte, Lehre und Praxis der Gemeinschaften, es folgt die Darstellung der regionalen Entwicklung und Besonderheiten mit Adressen, Bildern, Zahlen und Karten.

Das Buch versteht sich ja als Ausgangspunkt einer interaktiven Bewegung und der Begegnung der Gemeinschaften untereinander und mit der Gesellschaft. Welche Rolle können sie bei der Integration und der Lösung ethischer Fragen in der Gesellschaft spielen? Diese Frage wurde nach der einleitenden Buchvorstellung in einem Podiumsgespräch diskutiert.

Eingeladen waren Vertreter verschiedener Gemeinschaften und Organisationen, die in einer von Fritz Pleitgen moderierten Podiumsrunde über den Wert des Buches und die Zukunft sprachen: Dr. Shayani-Mühlschlegel von der Bahá’í-Gemeinde in Essen unterstrich den praktischen Nutzen des Lexikons. Bernd Smigielski, Öffentlichkeitsbeauftragter der Siebenten Tags-Adventisten lobte die Ausgewogenheit des Werkes, in dem auch die kleineren Gemeinschaften gut gewürdigt seien. Der Vertreter des NRW-Ministeriums für Integration, Wael El-Gayar, wies darauf hin, dass es zwar viele gute Ansätze für die Integration auch über Religion gebe, dass aber noch viel zu tun sei. Mehmet Soyhun von der muslimischen DITIB aus Essen begrüßte die Darstellung der islamischen Gemeinschaften, die aber in Zukunft noch vervollständigt werden müsse.
Die Runde war sich einig: das Lexikon ist eine längst überfällige Grundlage für die Zukunft des Dialogs. „Gerade die Jugend braucht mehr Information – und die Schule ist oft der einzige Rahmen, wo sie etwas mitkriegen“, meinte der evangelische Pfarrer Willi Overbeck aus Essen, der dort für das kommende Jahr die Aktion „Engel der Kulturen“ vorbereitet. Deshalb wäre es doch gut, wenn die Schulen im Ruhrgebiet dieses Buch in ihren Bibliotheken hätten.

Die  „Kirche der Kulturen“ als Wirkungsort des von den Nazis verfolgten Pfarrers Hans Ehrenberg und Mittelpunkt des „Platzes des Europäischen Versprechens“ bildete einen ausgezeichneten Rahmen für die Vorstellung des Buches, meinte Pleitgen – und auf dem Nachhauseweg wolle er das eine oder andere der angesprochenen Themen noch einmal nachlesen.

Die Runde:
Wael El-Gayar, Integrationsministerium, Düsseldorf
Alexander Sperling, Jüdische Gemeinde, Dortmund
Mehmet Soyhun, DITIB, Essen
Dietrich Schwarze, Pfarrer, WCRP, Witten
Willi Overbeck, Pfarrer, „Engel der Kulturen“ Essen
Bernd Smigielski, Siebenten-Tags-Adventisten, Bochum
Dr. Roya Schayani-Mühlschlegel, Bahá’í, Essen
Rainer Mittwollen, Pfarrer, Methodisten, Bochum
Prof. Dr. Erich Geldbach
Dr. Peter Noss